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Gemeinde Rothenbuch
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So fing alles an


"Mitten im Spessart, zwischen Lohr am Main und Aschaffenburg, in einer Lichtung der weiten Wälder, die die Berghänge überziehen, liegt Rothenbuch."
So wird die geographische Lage des Spessatdorfes häufig beschrieben. Seit dem Jahre 1318 ist dieses "zùo der Rodenboychen" unser Rothenbuch ins Licht der Geschichte getreten.


Ob der Wald des Spessarts, so wie der Reichsforst Dreieich oder Büdinger Forst, unter dem Wildbann der deutschen Könige gestanden hat, ist nicht sicher bezeugt. Sicher aber ist, dass deutsche Könige in ihm zur Jagd gezogen sind. So hat Friedrich I. ( 1122 - 1190 ) der spätere Kaiser Barbarossa also bei Schöllkrippen am Rande des Buntsandsteingebietes des Spessarts ein Jagdschloss besessen. Ob dagegen auch das sagenhafte Schloss Karls des Großen Ravensburg an der Stelle des heutigen Aschaffenburger Schlosses gestanden hat, muss ganz unsicher bleiben, schreibt Dr. Jürgen Siebert in seinem 1934 in Breslau erschienenen Buch "Der Spessart".
Im Jahre 786 jedenfalls schenkte der fränkische König und spätere Kaiser Karl der Große Waldungen an die Abtei Neustadt und im Jahre 974 übereignete Herzog Otto I. von Schwaben die Waldungen des westlichen Spessarts dem Kollegiatstift St. Peter u. Alexander in Aschaffenburg.

Jedoch schon kurze Zeit später ist dieser Aschaffenburger Forst an das Erzbistum Mainz übergegangen. Seit damals um das Jahr 1000 stand der Spessart unter dem Wildbann, also der Wald und Jagdhoheit der Mainzer. Diesen Anspruch galt es durchzusetzen gegen die Konkurrenz, die den Erzbischöfen durch die Grafen von Rieneck erwuchs. Die Rienecker erfassten den Raum durch die Anlage von Burgen, Dörfern, aber auch Glashütten. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts konnten sich die Kurfürsten nach harten Kämpfen durchsetzen. Mit dem Aussterben der Grafen 1559 fielen große Teile ihres Erbes an Mainz.
Im 14. Jahrhundert, also etwa zu der Zeit, als Rothenbuch erstmals urkundlich erwähnt wird, begannen auch die Kurfürsten den Landesausbau im Spessart zu verstärken. Die Anlage von wandernden, also ihren Standort häufig wechselnden Glashütten führte langfristig zum Entstehen von Dörfern im inneren Spessart. Die Errichtung von Jagdschlössern wie in Rothenbuch und Forsthuben belegen den energischeren Zugriff auf unseren Raum. Allerdings blieb das herrschaftliche Interesse bestimmend: die Ansiedlungen blieben relativ selten, ihre Gemarkungen und die Zahl ihrer Bewohner gering, gerade ausreichend, um die notwendigen Hilfskräfte vor Ort erhalten zu können.
Der zweite Grund, das Besitztum im Spessart höher als bisher einzuschätzen, dürfte wohl die Erlaubnis des Papstes für die sog. "Stille Jagd" für die Geistlichkeit gewesen sein.
"Der Besitz der Spessartwaldungen", so schreibt Dr. Jürgen Siebert, war für Kurmainz solange nicht von allzu großem Werte, solange es den geistlichen Herren untersagt war, die Jagd selbst auszuüben. Dieses Verbot währte uneingeschränkt bis zum 13. Jahrhundert. Dann aber erging die Erlaubnis zur sogenannten "Stillen Jagd" für die Geistlichkeit im Gegensatz zur französischen Parforcejagd und ließ mit einem Schlag den Spessart viel näher in den Gesichtskreis der Mainzer Herren rücken.
Die Parforcejagd, die französische Art des Hetzens des Wildes mit der Hundemeute hoch zu Ross, blieb zwar weiterhin verboten, aber es konnte nun die "eingestellte Jagd" durch die Kurfürsten von Mainz selbst, die ja geistliche Herren waren, betrieben werden. Dazu trieb man das Wild auf durch Netze oder Tücher abgesperrten Plätzen zusammen.

Die Ausrüstung von Jagdzügen verlangte jedoch ein umfangreiches Begleit und Hilfspersonal von Jagdfrönern. Diese Bediensteten aber immer wieder bei jedem Jagdzug von neuem in den Spessart mitzubringen, erforderte zuviel Aufwand und Kosten, so dass der Gedanke einer Besiedlung der Randgebiete des zusammenhängenden Waldes mit Menschen, die bei den Jagden ihre Frondienste leisten könnten, näher rücken musste! So erfolgte die erste vom Staate Mainz gewollte Besiedlung des Spessarts aus dem Gesichtspunkt der Jagdbedürfnisse heraus. Das Besiedlungswerk selbst musste dabei die Menschen vom eigentlichen Jagdgebiet fernhalten, um den Wildbestand nicht zu mindern.

So entstanden die sogenannten Jagdfrondörfer im und am westlichen Rande des Spessarts. Dieses große Gebiet verlangte aber nicht nur nach Arbeitskräften also Frönern , sondern musste auch verwaltet und überwacht werden:
Zur Beaufsichtigung der Jagdfröner, zur Abwehr des Wald und Wildfrevels wurden 20 kurmainzische Forst und Bachhübner eingesetzt: Alle diese Hübner unterstanden dem Forstmeister des Spessarts, der zuerst in Aschaffenburg und vom Ende des 15. Jahrhunderts (1485) an in Rothenbuch seinen Wohn- und Amtssitz hatte.

Hier an dieser Stelle taucht erneut der Name unseres Heimatortes auf. Rothenbuch ist nun sogar zum Amtssitz des Forstmeisters über den Spessart aufgestiegen. Wie kam es dazu? Die bisherige und einzige Deutung war bisher meist, dass die Herren von Mainz zwar ein unberührtes Jagdgebiet erhalten wollten, aber doch auch einige Schlösser oder Jagdhäuser mitten in diesen Gebieten als Unterkunftsorte brauchten.
Die älteren Jagdschlösser Weiberhöfe (1265) und "Mole" bei Heimbuchenthal befanden sich am Rande des zusammenhängenden Waldgebietes. Deshalb wohl ließen sich die Mainzer Bischöfe tief im Innern des Jagdgebietes in einer Nord-Süd-Linie die Schlösser Rothenbuch, Wiesen und vielleicht Rohrbrunn erbauen. Auch die Sicherung der Grenzen nach Osten zu den "Würzburgern", bzw. "Rieneckern" wird dabei eine wichtige Rolle gespielt haben.
Von hier mitten im Spessart konnten zugleich die Besitzungen besser überwacht, verwaltet und genutzt werden. Denn so wie heute ist der von uns Steuer genannte Ertrag des Landes für die Herren immer eine entscheidende Forderung gewesen.


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