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Gemeinde Rothenbuch
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Schloss Rothenbuch


Schloss RothenbuchDie Lage des Schlosses ergibt sich wie selbstverständlich aus der hier entspringenden Quelle der Hafenlohr. Frisches Quellwasser war eine notwendige Voraussetzung einer menschlichen Ansiedlung. Bereits im Jahre 1318 ist Rothenbuch zum erstenmal schriftlich genannt worden, in einem Vertrag, den der Erzbischof Peter von Aspelt von Mainz mit dem Fürstbischof Gottfried von Hohenlohe von Würzburg "zùo der Rodenboychen" schloss. Die Stelle an der Quelle der Hafenlohr war dabei lediglich ein geeigneter Treffpunkt. Es ging bei dem Treffen nicht um den Ort Rothenbuch selbst. Wir erfahren leider auch nichts über eine Ansiedlung oder Gebäude an dieser Stelle.
An der Hafenlohrquelle könnte allerdings ein Sammelplatz der großen Jagden im östlichen Spessart gewesen sein.
Vermutlich 1342 ließen die Kurfürsten von Mainz an der Quelle der Hafenlohr einen Stützpunkt errichten. Um dieses Jagdschloß herum entstanden Wohnhäuser, Hütten und Stallungen für die Jagdfröner und den Tross des Kurfürsten.

Das heute noch erhaltene Schloss stammt im Kern von einem Um- oder Neubau im Jahre 1567 her.
Über das Schicksal Rothenbuchs und seines Schlosses in den Wirren des 16. Jahrhunderts wissen wir nichts. Am Bauernkrieg 1525 waren auch die Spessarter beteiligt. Burgen und Klöster sind damals vielfach geplündert und zerstört worden wie auch die Würzburgische Burg Rothenfels. Sie wurde den Bauern übergeben und schließlich angezündet.


Die Grafschaft Rieneck wandte sich der neuen Lehre zu und war - abgefallen von Rom - evangelisch geworden. Für die Mainzer Erzbischöfe und Kurfürsten bestand hier, auch militärisch gesehen, eine unsichere Flanke, solange bis die Grafen 1559 ausstarben und Mainz einen erheblichen Teil ihres Besitzes, darunter Lohr, übernahmen. Die Rekatholisierung der ehemals rieneckischen Untertanen konnte allmählich beginnen.

Der Markgräflerkrieg, der Krieg mit dem protestantischen Markgrafen Albrecht Alkibiades um die Jahrhundertmitte brachte auch bei uns wieder Not, Elend und Verwüstung. Zerstört wurden in unserer engeren Heimat u.a. die Mildenburg, das Kloster Himmelthal, die Besitzung Weiberhöfe und sogar das Aschaffenburger Schloß 1552. Die mächtige und stolze Stadt Mainz wurde in Schutt und Asche gelegt. Der Kurfürst war nach Frankreich geflohen.

Die Einbeziehung des rieneckischen Erbes von 1559 und der Wiederaufbau nach den Kriegsjahren leiteten auch für unser Rothenbuch und den Spessart eine neue Phase der Entwicklung ein.
Das Schloß Rothenbuch wurde 1567 ausgebaut, nun nicht mehr als Grenzposten gegen Rieneck und Würzburg sondern als Zentralort des Innerspessarts, wie es schon mit dem Umzug des Forstmeisters von Aschaffenburg ins Schloß 1485 eingeleitet worden war.
Weiter galt es, auch den Spessart wirtschaftlich intensiver zu nutzen. Die Glashütten, aber auch Bau- und Brennholz aus dem Spessart boten erhebliche finanzielle Möglichkeiten. Man bringt ja etwa die uralten Eichenbestände um Rohrbrunn mit dem Wiederaufbau des Aschaffenburger Schlosses in Verbindung.
Rothenbuch bot hier günstige Möglichkeiten, nicht zuletzt durch die nun verstärkte und mit Würzburg vertraglich abgesicherte Holztrift auf der Hafenlohr.

Erzbischof Daniel Brendel von Homburg (1555-1582) ließ deshalb folgerichtig bis zum Jahr 1567 das Rothenbucher Schloss (neu)errichten. Ein bescheidener Nutzbau, wie er vom Leiter des Lohrer Museums Herrn Werner Loibl einmal beschrieben wurde. Ihm verdanken wir auch den Hinweis auf die erste Abbildung des noch einflügeligen Schlosses aus dem Jahre 1586.
Der heutige, wohl Ende des 17. Jahrhunderts erweiterte Bau ist ein Wasserschloss mit vier Flügeln, die den rechteckigen Hof umschließen. Er scheint den Bau von 1567 einbezogen zu haben, dessen Wappensteine aber erhalten geblieben sind
Direkt neben dem Schloß über der Straße errichtete Kurfürst Daniel Brendel eine Schloßkapelle, die 1575 eingeweiht worden ist. Mit der Gründung der Pfarrei Rothenbuch 1683 diente sie später als erste Pfarrkirche unseres Ortes. Bis dahin mussten die Dorfbewohner, da ihnen keine Kirche am Ort zur Verfügung stand, den weiten Weg nach Wiesthal zur Mutterpfarrei (seit 1477) auf sich nehmen.

Die 1861 mit dem Bezug der neuen Pfarrkirche profanierte, zu einem Wohnhaus umgewandelte, und damit verweltlichte Schloßkapelle ist im nachgotischen Stil erbaut worden. Damals konnte die 1848/49 begonnene neue Pfarrkirche Skt. Nikolaus am Fuße des Tiergartenberges bezogen werden. 16 Jahre lang hatte sich die Gemeinde Rothenbuch wegen des Streites um die Baulast und die Entlegenheit des Kirche die Übersiedlung bekämpft.

Inzwischen wuchs die Siedlung Rothenbuch immer weiter an. Die Einwohnerzahl stieg ständig. 1614 lebten hier nur 82 Einwohner in 16 Haushaltungen, wobei die eigentlichen Beamten usw. nicht mitgerechnet worden sind. Bis 1900 war ein stattliches Dorf mit ungefähr 900 Einwohner herangewachsen. Die Häuser standen zunächst hauptsächlich um das Schloss herum und im "Oberdorf" an der heutigen Wächterstraße.


Einige, meist herrschaftliche Gebäude vor allem aus dem 16. Jahrhundert sind noch vorhanden: Das ehemalige Zeughaus ( u.a. benutzt als Lagerraum für das Jagdzeug ) aus dem Jahre 1566 ist heute das Gasthaus "Zum Löwen".
Die zum Schloss gehörige Zehntscheune, erbaut im Jahre 1576, in der die Rothenbucher ihre Abgaben in Form von Naturalien (Korn etc.) abliefern mussten, ist heute das Staatliche Forstamt Rothenbuch. Das Mainzer Wappen, dessen 6 speichiges Rad in das Gemeindewappen von Rothenbuch Eingang gefunden hat, ziert heute noch seine Giebelwand!


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