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Gemeinde Rothenbuch
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Leben damals in Rothenbuch


PostkarteDas Leben im Spessart, also auch und gerade in Rothenbuch, war für die Einwohner nicht immer so leicht wie heute. Als gegen Ende des 18. Jahrhundert die Jagd ihre Bedeutung verlor, konnte nur noch ein kleiner Teil der ungefähr 600 Einwohner bei der Jagd und als Waldarbeiter beschäftigt werden. Ein in der Lichtenau errichteter Eisenhammer bot nur kurz Verdienstmöglichkeiten. Die übrigen mussten versuchen, von kärglicher Landwirtschaft zu leben. Es wurden Getreide und Kartoffeln angebaut und Kühe gehalten.

Jedoch war die Gemarkung besonders in der Mainzer Zeit viel zu klein und der Boden zu schlecht: Not und Armut herrschten in Rothenbuch. Schließlich wurde in den Jahren 1790 bis 1794 das Gelände des ehemaligen Tiergartens in 114 Losen an die Rothenbucher Bevölkerung aufgeteilt. Damit wurde die Anbaufläche wesentlich erweitert und die Not etwas gemildert. Bis dahin mussten sich 4 Personen von einem Hektar ernähren!


BauernhausHeute ist diese Armut, die bis in das vorige Jahrhundert und noch später reichte, nur noch Legende, und im alten Dorfkern kann man nur noch einzelne der ärmlichen Bauten sehen. Doch dieses Gefühl des Armseins beherrschte noch lange die Denkweise der Spessarter, die sehen mussten, wie sie sich und ihre Familien durchbringen konnten.
An diese Not und Beengtheit erinnert heute das aufwendig restaurierte"Alte Bauernhaus" in Rothenbuch, ein Beispiel für das typische Spessart-Einheitshaus.

Wenn der Spessartbauer von den reichen Frankenbauern spricht, dann - so schrieb der Heimatforscher Pfarrer Schott aus Habichsthal, denkt er an eine Gegend, wo der Wald zurücktritt und Raum für Äcker und Wiesen lässt, wo die Grundstücke nicht den Berg hinaufziehen und darum leichter bebaut werden können als die Felder und Grasäcker im Spessart und wo ein guter ertragreicher Boden die Arbeit besser lohnt als die eigenen kargen Äcker.


Das Wort vom Frankenland sagt uns, dass der rechts und linksmainische Teil des (alten) Landkreises (Lohr am Main) grundverschieden sind, und dass der Main bis in das 20. Jahrhundert die Grenze zwischen Wohlstand und Armut war!
Dieses Wort zeigt aber auch, dass der Spessarter sich nicht so recht zu Franken rechnet, obwohl rechts und linksmainische Dörfer nun schon seit langen Jahrzehnten zum gleichen Bezirksamt bzw. Landkreis Lohr gehören. Der Main scheidet eben nicht nur Wald und Bauernland, schlechte und gute Gegend, er war auch durch Jahrhunderte die Grenze zweier Staaten.
Die beiden so verschiedenartigen Teile sind in der Vergangenheit getrennte Wege gegangen, so dass nicht nur der Unterschied zwischen Wald und Acker, sondern auch die andersartige geschichtliche Entwicklung einen Unterschied zwischen Spessart und Frankenland bedingte.
In den 70er Jahren des vergangenen 20. Jahrhunderts ist dieser Unterschied wieder deutlich geworden für uns in Rothenbuch durch die Gebiets und Verwaltungsreform des Landes Bayern. 1972 wurden letztlich aus der geschilderten geschichtlichen Entwicklung und den Verschiedenheiten der Gebiete die verwaltungsmäßigen Konsequenzen durch die Schaffung der beiden Landkreise Aschaffenburg am Main und Main Spessart gezogen. Rothenbuch gehört seitdem zum Landkreis Aschaffenburg.
Der Ort Rothenbuch aber hat dabei nach tiefgehenden Diskussionen in der Bevölkerung - den richtigen Schritt zurück, hin zu seiner Herkunft, getan. Anfangs betrübte den geschichtsbewussten Rothenbucher Bürger natürlich der 1972 erfolgte Verlust der verwaltungsmäßigen Eigenständigkeit: Rothenbuch wurde in die Verwaltungsgemeinschaft Waldaschaff eingegliedert. Welch lange und stolze Tradition nahm damals ein scheinbares Ende.


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